Wer bestimmt den Kaffeepreis?

Verfasst von Yunus

"Hallo liebe Kaffee-Freunde! Ich bin Yunus, studiere Finance & Controlling und habe dementsprechend ein Händchen für Zahlen aller Art. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen meiner Beiträge!"

August 25, 2020

Das Genussmittel als Spekulationsware

Der Preis für Kaffee, den die großen Röster bzw. Hersteller beziehen schwankt genau wie der Rohstoffpreis für Öl, Gold, und Rinderhälften. Kaffee ist hier reiner Rohstoff, und wird ebenso an der Börse gehandelt.

Kaffeepreise werden durch Angebot und Nachfrage an den Warenterminbörsen bestimmt. Der wichtigste Handelsplatz für Arabica-Bohnen ist die Intercontinental Exchange (ICE). Die größte Börse für Robusta-Kaffee hat die Euronextz in London. Die meisten in Deutschland gehandelten Derivate sind an den ICE gekoppelt.

Derzeit (Stand Juli 2020) liegt der Kaffeepreis bei 0,97 USD pro Pfund (1,89€ pro Kilogramm). Laut der Fairtrade Foundation sind mehr als 125 Millionen Menschen weltweit auf Kaffee angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 25 Millionen Kleinbauern bauen 80 Prozent des weltweiten Kaffees an. Wenn der Börsenwert und somit der Kaffeepreis so gering ist wie zurzeit, dann müssen viele Bauern um ihre Existenz fürchten, denn ihr Einkommen sinkt rapide.

Bei einem Preisverfall wird der Preisnachlass an den Verbraucher nicht sofort weitergegeben, sondern die verarbeitende Kaffeeindustrie und die Einzelhändler in den Importländern streichen die zusätzlichen Gewinne ein. In einer Untersuchung der Weltbank stellte J. Morisset fest, dass zwischen 1975 und 1993 der Weltmarktpreis von Kaffee um 18% gesunken ist; aber der Verbraucherpreis in den USA um 240% anstieg.

Neben den Börsenpreisen können auch Währungsschwankungen den Kaffeepreis verändern, da der internationale Kaffeehandel ausschließlich in US-Dollar abgewickelt wird.

Kleine Label und Röstereien die sich das Wort Spezialitätenkaffee auf die Fahne geschrieben haben versuchen das Einkommen der Kaffeebauern vom Börsenpreis des Kaffees zu entkoppeln. Sie kaufen nicht pro Tonne an der Börse. Sie kaufen entweder bei Importeuren die sich direkt mit den Bauern der einzelnen Regionen vernetzen, oder gar der Röster selbst hat Kontakte und fährt zur Abnahme und Bestellung in die Anbauländer.

Es werden individuelle Preise mit den Bauern verhandelt. Diese sind selbstverständlich gemessen an der Qualität und Güte der Bohnen. Es geht hier nicht um den reinen Preis pro Kilo oder pro Sack, sondern ein Qualitätscheck gemäß den SCA Vorgaben ist entscheidend. Ein so gehandelter Kaffee ist nicht nur eine Gaumenfreude für den Konsumenten, sondern der Landwirt wird angemessener für seine Arbeit entlohnt. Er sorgt immerhin dafür, dass Dein Kaffee so lecker schmeckt!

 

Quellen:

https://www.kaffeeverband.de/kaffeewissen

www.gepa.org

Morisset, J. (1997). Unfair Trade? Empirical Evidence in World Commodity Markets over the past 25 years, World Bank.

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