Fairtrade vs. Direct Trade

Verfasst von Kathi

"Hallo, ich bin Kathi und studiere Biologie und Umweltwissenschaften im Master. Ich trinke für mein Leben gerne Kaffee und interessiere mich für alles um das Thema nachhaltigen Kaffeeanbau und Agroforstwirtschaft. Viel Spaß beim Lesen meiner Artikel!"

August 23, 2020

Was ist der Unterschied? Und was ist eigentlich Personal Trade?

Das Siegel Fairtrade steht für fair gehandelte Produkte und ein verlässliches Einkommen für die Produzenten. Aber wie fair ist denn Fairtrade? Aber was verbirgt sich dahinter? Kann der Kaffeebauer von dem Erlös wirklich seine Familie ernähren oder können die Farmen nachhaltig verbessert werden?

Um Fairtrade-Konditionen zu bekommen, müssen sich Bauern sogenannten Kooperativen anschließen, durch die der Kaffee an die World Fair Trade Organization (WFTO) verkauft wird. Normalerweise ist der Preis pro Pfund Kaffee an den Börsenpreis des Kaffees gebunden, welcher zurzeit so niedrig ist wie noch nie. Um dem ein wenig entgegenzuwirken hat die WFTO sich dazu verpflichtet den Kooperativen einen Mindestpreis von 1,40 Dollar pro Pfund zu bezahlen. Was jedoch schnell übersehen wird, ist das Siegel Geld kosten. Die Preise dafür sind oft so hoch, dass einige Kaffeebauern sich die Zertifizierungen nicht leisten können. Auch die Kooperativen zwischen Kaffeebauer und Händler sind eine zusätzliche Zwischeninstanz, die bezahlt werden muss.

Direct Trade umgeht dieses Problem, indem es, wie der Name schon vermuten lässt, auf Zwischenhändler verzichtet. So wird mehr Transparenz geschaffen: Die Kaffeebauern verdienen dadurch mehr als auf dem Markt üblich. Jedoch bleibt der Bauer trotzdem anonym, denn die eigene Marke des Direkthändler steht im Vordergrund.

Personal Trade geht noch einen Schritt weiter. Es stellt einen neuen Weg des Kaffeehandels dar, bei dem der Händler als Bereitsteller einer Verkaufsplattform für den Landwirt agiert. Während der Händler Marketing, Finanzierung und Logistik organisiert, sollen Produkt und Verkauf so persönlich wie möglich sein. Dadurch soll die emotionale Barriere zwischen Bauer und Kaffeetrinker durchbrochen werden und Käufer sollen erfahren können, welcher Mensch hinter ihrer Tasse Kaffee steckt und wie sich ihre Kaufentscheidungen das Leben der Kleinbauern auswirkt. Außerdem bekommt der Bauer, zusätzlich zum Einkaufspreis des Rohkaffees, pro verkauftes Kilogramm Kaffee, eine Sozialprämie. Kaffeequalität und Lohn gehen somit Hand in Hand.

Wie Direct Trade, ist Personal Trade auch kein eingetragenes Siegel, sondern eine strenge Selbstverpflichtung. Das spiegelt sich auch in der Qualität des Kaffees wider: Konsumenten kann ein qualitativ gleichbleibender Spezialitätenkaffee angeboten werden, während der Landwirt mehr verdient. Das Fazit ist einfach: Von diesem Kaffee profitieren alle ausnahmslos.

 

Quellen:

Griffiths, P. (2012). Ethical objections to Fairtrade. Journal of business ethics105(3), 357-373.

Tellman, B., Gray, L. C., & Bacon, C. M. (2011). Not fair enough: Historic and institutional barriers to Fair Trade coffee in El Salvador. Journal of Latin American Geography, 107-127.

Badiyan-Eyford, J. (2013). Direct Trade Coffee: Prospects and Pitfalls.

Das könnte dir auch gefallen…

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Wie bekommst Du das maximale Aroma aus Deinem Kaffee? Kaffee ist ein empfindliches Naturprodukt, was stark mit...

Wer bestimmt den Kaffeepreis?

Wer bestimmt den Kaffeepreis?

Das Genussmittel als Spekulationsware Der Preis für Kaffee, den die großen Röster bzw. Hersteller beziehen schwankt...

Wie wirkt Koffein?

Wie wirkt Koffein?

Koffein im Körper Kaffee oder Tee? In Deutschland entscheiden sich 90% für eine Tasse Kaffee: macht insgesamt 320...